Schloss Gaienhofen

Dem Auferstandenen begegnen

Mittwochsandacht_online

Dieter Schütz / pixelio.de

Die Ostergottesdienste sind gefeiert, die Eier gesucht und die Ferien vorbei. Bleibt etwas von Ostern? Kommt etwas von der Auferstehung, kommt der Auferstandene in unserem Leben an?

Wie ging es für die Jünger Jesu nach Ostern weiter? Die Evangelien erzählen von verschiedenen Begegnungen der ersten Jüngerinnen und Jünger mit dem auferstandenen Jesus. Maria Magdalena, die ihm noch am Ostermorgen in der Nähe des Grabes begegnet, hält ihn zunächst für den Gärtner. Zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus, zu denen er sich gesellt, halten ihn für einen Fremden, der von alldem, was an Karfreitag geschehen ist, nichts mitbekommen hat. Das Lukasevangelium erzählt weiter, dass die Jünger ihn für ein Gespenst halten, als er das erste Mal in ihre ganze Runde tritt.

Und selbst nachdem er ihnen allen miteinander erschienen ist, erkennen ihn einige Jünger bei ihrer nächsten Begegnung nicht gleich. Das Johannesevangelium (Joh 21,1-14) erzählt, dass ein Teil der Jünger nach Ostern zum Fischen auf den See Tiberias hinausgefahren ist. Sie wollten offenbar ihr altes Leben wieder aufnehmen, so wie es war, bevor Jesus in ihr Leben getreten ist. Nachdem sie die ganze Nacht nichts gefangen haben, treffen sie den Auferstandenen am Ufer, aber sie erkennen ihn nicht. Er trägt ihnen auf, noch einmal auf den See zu fahren und das Netz zur Rechten auszuwerfen. Da fangen sie beinahe mehr Fische, als das Netz tragen kann. Und sie begreifen, dass der Fremde am Ufer Jesus, der Auferstandene, ist. Zurück am Ufer halten sie gemeinsam mit ihm das Mahl mit Brot und über dem Feuer gebratenem Fisch.

Dass die Jüngerinnen und Jünger Jesus nicht auf Anhieb erkennen, legt nahe, dass er ihnen nicht einfach in der Gestalt des Menschen begegnet, mit dem sie zwei Jahre lang unterwegs gewesen waren. Offenbar begegnet der Auferstandene in verschiedener Gestalt. Deutlich wird aber auch: Er begegnet den Jüngern in Menschen.

Sie erkennen ihn nicht an seiner äußeren Gestalt, sondern an den Zeichen seiner Gegenwart. Maria Magdalena spricht er mit ihrem Namen an. Sie erkennt, dass sie erkannt ist, und darin erkennt sie ihn. Den Jüngern am See Tiberias wird ihre erste Begegnung mit Jesus gegenwärtig: Der große Fischzug, als er sie in seine Nachfolge berufen hat. Gleich mehrfach gibt sich der auferstandene Christus im Brotbrechen und in der Mahlgemeinschaft zu erkennen. Den Jüngern in Emmaus und eben auch am See Tiberias.

Die Jünger begreifen nach und nach, dass ihr Leben mit Christus weitergeht. Es braucht dazu mehr als eine Begegnung. Für sie geht ihr altes Leben nicht einfach weiter, als hätte es die Zeit mit Jesus nie gegeben. Sie erhalten Aufgaben in der neu entstehenden Gemeinde der Christinnen und Christen. Sie bauen mit an seiner Kirche.

Der auferstandene Christus begegnet auch heute noch Menschen. Er begegnet in Menschen. Er ist da, wenn Menschen einander in seinem Geist begegnen. Indem sie einander erkennen, anerkennen und annehmen. Indem sie miteinander feiern. Im Gottesdienst und in der Mahlgemeinschaft. Indem sie miteinander teilen. In der tätigen Nächstenliebe.

Die Botschaft von Ostern will wieder und wieder gehört werden, damit Menschen begreifen, dass sie ihr Leben betrifft. Jahr für Jahr an den Osterfeiertagen selbst und durch das Jahr hindurch. Die Botschaft: Gott ist Mensch geworden. Er ist den Weg der Menschen bis ans Ende gegangen. Er hat den Tod überwunden. Er ist mitten unter uns. Wir begegnen ihm. Wo wir einander in seinem Geist begegnen, da werden wir einander zum Christus.

Arnold Glitsch-Hünnefeld


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