Schloss Gaienhofen

Seine Wirklichkeit vor Gott bringen

Buß- und Bettag 2020

Hungertuch von Heidi Reubelt

"Bußtag heißt, seine Wirklichkeit vor Gott bringen, auch die hässlichen Seiten, auch das, was weh tut. Bei Gott ist es gut aufgehoben, er kann das Hässliche in Gutes wandeln. Darum wollen wir ihn bitten." (A. Glitsch-Hünnefeld)
Der Buß- und Bettagsgottesdienst 2020 wird uns als Premiere in Erinnerung bleiben. Aufgrund unserer Grenzen technischer Machbarkeit und der daraus resultierenden Qualitätseinbußen bei der Übertragung von Mittwochsandachten wählte das Vorbereitungsteam eine neue Form: Wir zeichneten den Gottesdienst im Vorfeld auf - vor einer leeren Kirche. Es ist ein gewöhnungsbedürftiges Gefühl, das Gemeinschaftserlebnis Gottesdienst auf "Vorrat" zu produzieren… Der "Film" wurde dann von allen Klassen am Morgen des Buß- und Bettages im Klassenzimmer gezeigt. So war Schulgemeinde spätestens dann spürbar, als man durch die Sichtfenster der Stufencluster sehen konnte, dass die Aufzeichnung auch im Nebenraum lief!
Thema war die Erinnerung an die Deportation jüdischer Mitbürger am 22. Oktober 1940.
An diesem Tag wurden über 6500 Juden aus Baden und der Saarpfalz von den Nationalsozialisten verschleppt – am hellichten Tag und unter den Augen der Öffentlichkeit. Die Juden wurden zunächst ins Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich verschleppt. Viele überlebten den ersten Winter dort nicht, vor allem viele Kinder. Sie starben an Hunger, Krankheiten und Kälte. Ein Großteil der Übriggebliebenen wurde später in Auschwitz ermordet.
Ein Bild von Heidi Reubelt, entstanden durch Eindrücke aus dem KZ Buchenwald und Paul Celans "Todesfuge", stand im Mittelpunkt des Gottesdienstes und mahnte auch an die aktuellen, Besorgnis erregenden Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Diese finden in einem Statement der Künstlerin ihren Ausdruck: "Der wieder aufkeimende Antisemitismus und die Zunahme von Rassismus und Gewaltbereitschaft in unserem Land erschüttern mich zutiefst. Im letzten Sommer besuchte ich die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Diese Eindrücke und das Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan haben mich so berührt, dass ich dieses Bild, auf Knien zeichnend, schuf." (Heidi Reubelt im Januar 2019). Die Springerstiefel links im Bild, die sofort den Blick des Betrachters auf sich ziehen, sprechen dabei für sich und beeindruckten selbst unsere Jüngsten, die ihren ersten Gottesdienst an der neuen Schule mit großem Interesse erlebten. (M. Bischofberger/A. Glitsch-Hünnefeld)


Ein herzlicher Dank gebührt Jan-Geza Witzel und Jannis Graf, die viel Zeit in Aufzeichnung und Bearbeitung des Filmmaterials investiert und uns ihr technisches Knowhow zur Verfügung gestellt haben. Wir wissen euer Engagement sehr zu schätzen!


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