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ILC - Individualisiertes Lernen Coachen

„Der Weg ist das gemeinsame Ziel" lautete im September 2016 gewissermaßen das Motto, als ILC in 17 teilnehmenden Schulklassen als Pilotprojekt an der Schlossschule Gaienhofen eingeführt wurde. Seit vielen Jahren genießt das individualisierte Lernen - auch mit iPads - an unserer Schule einen hohen Stellenwert. Die Kinder und Jugend¬lichen sollen gemäß der Präambel des Schulleitbildes im Mittelpunkt stehen. Durch das Entwickeln eigener Lernstrategien und Lernwege zur Erreichung eines vorgegebenen Ziels lernen die Heran-wachsenden selbstständiger und gemäß ihres Lerntyps.

„Wir nehmen uns und unsere Mitmenschen als eigenständige Persönlichkeiten wahr und fördern und fordern ihre individuelle Entwicklung.“ 

Die zunehmende Individualisierung des Unterrichts erfordert aber auch die Begleitung der Schülerinnen und Schüler durch die Lehrerinnen und Lehrer. Das aus dem Schulleitbild zitierte „Fördern und Fordern der individuellen Entwicklung" verdeutlicht, dass die Heranwachsenden in ihrer Selbstständigkeit nicht etwa alleine gelassen werden. Vielmehr verstehen sich die Pädagogen der Schlossschule als Lernwegbegleiter.

„Der Weg ist das gemeinsame Ziel" war in der Pilotphase von 2016 bis 2018 also nicht nur als Motto zu begreifen. Denn sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerinnen und Lehrer profitierten von den vier Mal jährlich stattfindenden Gesprächen. Den Kindern und Jugendlichen wurde in etwa 15 Minuten dauernden Gesprächen während des regulären Fachunterrichts die Möglichkeit eröffnet, mit ihrem persönlichen Lerncoach über ihre Lernprozesse zu sprechen und Strategien auf dem Weg des Lernens zu entwickeln. 

Die betreuende Lehrkraft konnte dabei die Sicht auf Noten und zu erreichende Lernziele in den Hintergrund treten lassen, sich voll und ganz auf die Beziehung zum Lernenden konzentrieren und ganz nebenbei wichtige Rückschlüsse für die eigene Unterrichtsgestaltung ziehen.

Mit dem Beginn des Schuljahres 2018/2019 wurde das bisherige Pilotprojekt „Individualisiertes Lernen coachen“ nun erfolgreich in die Routine überführt. Die große Mehrheit des Kollegiums hat sich dafür ausgesprochen, dass das Lerncoaching fest in die Klassenstufen 7/8 und die Gelenkstufe implementiert wird. Zur praktischen Umsetzung gab es für die Klassen acht und Eingangsklassen eine zusätzliche Klassenlehrerstunde, die sich in Klasse sieben schon lange bewährt hatte. Im Rahmen dieser finden die individuellen Coachinggespräche nun durch einen zweiten geschulten Kollegen statt, damit kein Fachunterricht mehr gestört wird. 

Mit den eben beschriebenen institutionellen Veränderungen hat sich gewissermaßen  auch das Motto des Lerncoachings etwas gewandelt. Der Leitspruch „Gemeinsam ans Ziel" kann der Tatsache Rechnung, dass die Gespräche nun planvoll und regelmäßig stattfinden, wohl besser Rechnung tragen.  

Die Einzelgespräche sollen die Heranwachsenden nämlich gerade in den Umbruchphasen Pubertät und neue Schulart/neue Schule gezielt stärken und helfen sich zu reflektieren, Zusammenhänge zwischen Lernverhalten und Erfolg deutlich machen und bei Problemen kurzfristige Interventionsmöglichkeiten bieten. So stärken die Kinder und Jugendlichen ihr Selbstwirksamkeitserleben und erhalten schnell Unterstützung, wo es nötig ist.

Unverändert geblieben ist hingegen die praktische Umsetzung des Lerncoachings. In den offenen, vertraulichen und von Wertschätzung geprägten Gesprächen zwischen Lerncoach und Lernenden steht die Wahrnehmung der  individuellen Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden im Zentrum des Interesses. Diese soll durch die Lernwegbegleiter wahrgenommen und gefördert beziehungsweise gefördert werden. Das bedeutet in der Praxis, dass die Schülerinnen und Schüler über erfolgreiche Lernprozesse oder Schwierigkeiten beim Erreichen von Lernzielen berichten. Gemeinsam mit ihrem persönlichen Lerncoach reflektieren sie dann, welche Faktoren für das Gelingen oder Misslingen des Lernens verantwortlich waren. Sind diese Faktoren erst einmal identifiziert, setzen sich die Kinder und Jugendlichen schriftlich ein Ziel, an dem sie bis zum nächsten Coaching-Gespräch arbeiten. 

Am Elternsprechtag zum Schulhalbjahr sprechen die Heranwachsenden dann gemeinsam mit ihren Eltern und dem Lerncoach über die verfolgten Ziele. Oft lassen sich an diesem Tag auch schon erste schulische Erfolge festmachen, die sich auf Grund der Veränderungen im Lernverhalten ergaben.

Die positiven und wertschätzenden Bestärkungen durch den Lerncoach, die sich häufig nicht auf Noten sondern auf Verhaltensweisen beziehen, sowie die großen Zeiträume für den persönlichen Austausch jenseits der Notengebung, ermöglichen einen weiteren Vorteil der ILC-Gespräche: Die nachhaltige Verbesserung der Schüler-Lehrer-Beziehung.

Diese erfolgreiche Umsetzung des Pilotprojekts war durch die engagierten Beteiligung der Kollegen in der Projektgruppe, umfangreiche Schulungsmaßnahmen und kollegialen Austausch und die Unterstützung des gesamten Kollegiums möglich. ILC wird sich auch in den kommenden Schuljahren weiter entwickeln und sich neuen Herausforderungen stellen. Im Vordergrund wird aber immer die Schülerin und der Schüler stehen, während die Lehrkraft stets begleitend dabei helfen wird, „gemeinsam ans Ziel" zu gelangen.

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